Tödlicher Rachefeldzug vor dem Luzerner Kriminalgericht

| Di, 14. Mär. 2017

2009 ist in Hohenrain ein 24-jähriger Landwirtschaftspraktikant aus Brasilien nach einem Fest erstochen worden. Ab Dienstag müssen sich drei mutmassliche Tatbeteiligte vor dem Kriminalgericht verantworten. Der Staatsanwalt beantragt Strafen zwischen fünf und elf Jahren.

Der Brasilianer war mit Landsleuten nach Mitternacht vom Barfestival in Hochdorf zu Fuss Richtung Hohenrain unterwegs. Dabei wurde die Gruppe von drei Männern mit Messern, Pfefferspray und Hammer angegriffen. Einer der drei fügte dem Landwirtschaftspraktikanten eine neun Zentimeter tiefe Wund am Oberkörper zu, an der der junge Mann noch am Tatort verblutete.

Gemäss Anklageschrift hatte es zuvor am Festival zwei Tätlichkeiten zwischen den Brasilianern und mehrheitlich aus dem Balkan stammenden Personen gegeben, an der die drei Beschuldigten aber nicht oder nur teilweise direkt beteiligt waren. Beim zweiten Streit wurde ein heute 25-jähriger Serbe an der Lippe verletzt. Dies soll den Rachfeldzug auf die Brasilianer ausgelöst haben.

Der 25-jährigen Serbe hat aber gemäss Anklageschrift den tödlichen Messerstich nicht ausgeführt. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Mittäterschaft zum Angriff vor. Zudem soll der Beschuldigte seither verschiedene weitere Delikte begangen haben. Der Strafantrag lautet auf fünf Jahre.

Wer von den beiden anderen Beschuldigten, einem 30-jährigen Kosovaren und einem 35-jährigen Mazedonier, für die Tötung verantwortlich zu machen ist, ist gemäss Anklageschrift nicht restlos geklärt. Beide sollen ein aufklappbares Arbeitsmesser bei sich geführt haben, das nach der Tat in einem Alteisencontainer unauffindbar entsorgt wurde.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Kosovare der Hauptschuldige ist, und beantragt für ihn eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Allenfalls soll er wegen Mittäterschaft zum Angriff und Teilnahme zur vorsätzlichen Tötung zu sechs Jahren verurteilt werden.

Beim Mazedonier lautet der Hauptantrag wegen Mittäterschaft auf sieben Jahre. Kommt das Gericht zum Schluss, dass er den tödlichen Stich ausgeführt hat, wird eine Strafe von elf Jahren beantragt. Dieser Angeklagte soll seit dem Fall Hohenrain weitere Delikte begangen haben, so häusliche Gewalt und Sozialhilfemissbrauch.

Alle drei streiten die Hauptvorwürfe ab. Der Kosovare setzte sich nach der Tat in seine Heimat ab. Er konnte erst 2015 in der Schweiz zur Tat befragt werden. Die beiden anderen leben im Kanton Luzern.

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